Anerkennung und digitale Netzkultur
26. Februar - 27. Februar
Der ursprünglich aus der Rechtsphilosophie stammende Begriff der Anerkennung drückt allgemein das Verhältnis eines Anspruchs, einer Akzeptanz, einer Erklärung oder einer schlichten Hinnahme eines Individuums oder einer ganzen Gruppe, gegenüber einer anderen Person bzw. einer Gruppe, theoretischen Propositionen (bspw. Sätzen) oder Gegenständen aus. Gegenseitige Anerkennung wird als notwendige Voraussetzung für das Bestehen und die Fortdauer von Gruppen, Familien, Freundschaften, Arbeitsgemeinschaften usw. angesehen. In den heutigen Debatten steht der Begriff der Anerkennung mit anderen philosophischen, soziologischen und juristischen Begriffen in einem engen Kontext: Verpflichtung, Recht, Kooperation, Handlungsnormen, Normen, Gesellschaftsvertrag, Verantwortung, Akzeptanz und Respekt werden in verschiedenen theoretischen Ansätzen zur Anerkennung genannt. Dabei verortet sich der Begriff der Anerkennung in bewusstseinsphilosophischer Ausrichtung, der Sozialphilosophie, im globalen Denken und der Multikulturalität. All diese Ansätze reflektieren wenig ihre Konzepte im Kontext der seit den 1990ziger Jahren sich entwickelnden digitalen Netzkultur und der Medienphilosophie. Mit den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation entstehen neue Formen der Akzeptanz und somit der Anerkennung, die sich auf die Endgeräte selbst, auf die medialen Inhalte, die Formen der Kommunikation und die neuen Ausprägungen von Arbeit, Familie und Freundschaften im Zuge der Digitalisierung beziehen. Der Workshop versucht Ansätze der Anerkennung mit diesen Erscheinungen zusammenzubringen.
Fragen und Themen, die damit zusammenhängen, sind bspw.:
- Ist der Begriff der Anerkennung dazu geeignet, um Beziehungen in der digitalen Netzkultur zu beschreiben?
- Gibt es eine Anerkennung von maschineller und künstlicher Intelligenz? Lässt sich von einer wirklichen propositionalen Anerkennung von künstlicher Intelligenz sprechen oder verbleibt hier die Anerkennung lediglich in einem performativen Werkzeuggebrauch? (Stichwort: Pflegeroboter, Anerkennung von Positionen von Chatbots, Mensch-Roboter-Interaktion, usw.)
- Welche Formen der medialen Anerkennung lassen sich im Hinblick auf Kommunikationsweisen der sozialen Medien erkennen? (Stichwort: Begriff der Person, Anerkennung von Propositionen in Chats, auf Blogs, usw., Anerkennung von „digitalen Freundschaften“ vs. herkömmliche Freundschaften)
- Wie lassen sich Konzepte der Anerkennung auf den Langzeitprozesse der Akzeptanz digitaler Medien und die damit zusammenhängenden technologischen Endgeräte deskriptiv erfassen und schließlich sozialphilosophisch, technikphilosophisch und ethisch bewerten? (Stichwort: Selbstoptimierung und Enhancement bspw. durch digital Self-Tracking bzw. Lifelogging.)
- Kann das Gaming (Videospiele, homo ludens) mittels der entsprechenden ästhetischen Strukturen (Video-Gaming-Landschaften, Avataren usw.) für eine interkulturelle Anerkennung fremder Ethnien, Volksgruppen, Minderheiten, usw. förderlich oder nachteilig sein? (Stichwort: Gamification von Anerkennung)
- Welche strukturellen und ethischen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um Anerkennung gegenüber Menschen, eventuell Maschinen, Propositionen in einer digitaldatafizierten Netzkultur zu etablieren?
- Wie sind die affektiv-emotionalen Befindlichkeiten beim Prozess der Anerkennung im digitalen Mediengebrauch zu beschreiben und zu bewerten?
Weitere Fragestellungen die das genannte Themengebiet Anerkennung und digitale Netzkultur (soziale Medien, maschinelle Assistenzsysteme, digitale Technologien) betreffen, können eingereicht werden. Beiträge aus allen Richtungen philosophischer Forschung sind willkommen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf medienphilosophischen, ethischen, rechtlichen und sozialphilosophischen Aspekten der Anerkennung liegen soll.

