Einfach Gendern
Auf die Frage, ob in der Wissenschaft geschlechtersensible Sprache verwendet werden sollte, gibt es nur eine Antwort, und die lautet: Ja, unbedingt! Wer gendersensiblen Sprachgebrauch pflegen möchte, braucht nur auf ein paar einfache Regeln zu achten.
Sprache ist mächtig
Was mittlerweile nicht mehr zulässig ist, sind die sogenannten Disclaimer á la »Ich verwende nur die männliche Form, weil ich die Lesbarkeit des Textes sicherstellen möchte.« Das heißt übersetzt: Ich habe keine Lust, mich mit alternativen Sprachangeboten zu beschäftigen und ignoriere aktuelle Erkenntnisse zu inklusiver Sprache.
Schreiben und Sprechen allein von sprachökonomischen Erwägungen abhängig zu machen, ist aus der Zeit gefallen, denn Sprache ist mächtig. Sie ist performativ, entscheidet darüber, wer oder was gesellschaftlich relevant ist. Das zeigen auch psychologische Studien.
Wer das Wort Autofahrer hört, wird an eine männliche Person denken, die ein Auto fährt. In dieser Welt gibt es keine Autofahrerinnen und erst recht keine Autofahrer*innen.
Wie gegendert wird, entscheiden die schreibenden Personen selbst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Die einen mögen Sonderzeichen. Sie verwenden Sternchen, Unterstriche oder den Doppelpunkt. Den anderen genügt die Doppelnennung. Wer gendersensiblen Sprachgebrauch pflegen möchte, findet in der folgenden Auflistung Anregungen.
Sonderzeichen
Zu den Genderzeichen gehören etwa Doppelpunkt, Sternchen oder Unterstrich. Sie finden sich auf jeder Tastatur und werden bereits von
vielen Menschen benutzt und verstanden.
Sänger_in und Philosoph_in
Sänger*in und Philosoph*in
Sänger:in und Philosoph:in
Sonderzeichen eignen sich gut zum Gendern. Sie sind allseits bekannt und können mit ein wenig Übung schnell geschrieben werden. Eine Ausnahme ist der Mediopunkt. Er wird mit Hilfe der Tastenkomination ALT + 0183 erzeugt.
Sänger·in und Philosoph·in
Mehrzahl
Gendersensibel zu schreiben, gelingt am einfachsten im Plural. Bei dieser Schreibung brauchen die Pronomen nicht angepasst werden. Die meisten Sachverhalte können im Plural genauso geschildert werden wie im Singular.
Theoretiker*innen lieben Fremdwörter. Sie führen gerne Streitgespräche.
Gegenderte weibliche Form
Falls doch einmal der Singular notwendig wird, empfehle ich, nur die gegenderte Form zu verwenden. Das hat den Vorteil, dass der Lesefluss am wenigsten unterbrochen wird.
Die Theoretiker*in liebt Fremdwörter. Sie führt gerne Streitgespräche.
Umformulieren
Wer gendersensibel schreibt, benutzt möglichst neutrale Begriffe. Dadurch werden die Sonderzeichen umgangen und der Lesefluss am wenigsten gestört. Eine neutrale Formulierung gelingt etwa durch die Bildung von Partizipien oder eine Anpassung der Wortwahl. Zu viele dieser Formulierungen stören jedoch das Textverständnis – auch von geübten Leser:innen. Setze sie also sparsam ein.
Partizipialform
Die auch als Mittelwort bezeichnete Wortart ist eine Mischung als Verb (Tätigkeit) und Adjektiv (Eigenschaft). Es kommt zum Einsatz, wenn Sonderzeichen vermieden werden sollen. Es sollte sparsam eingesetzt werden, weil die handelnden Personen teilweise hinter dem Wort verschwinden.
Studierende lieben Fremdwörter. Sie führen gerne Streitgespräche.
man
Bitte verzichtet auf Formulierungen mit »man«. Das hat weniger mit dem Gendern als mit der Deutlichkeit der Aussage zu tun. Wenn »man« etwas tut, kann Mensch es genauso gut. Zur Vermeidung bietet sich zudem die Passivkonstruktion an.
In der Wissenschaft liebt man Fremdwörter.
Wissenschaftler*innen lieben Fremdwörter.
Ausnahmen der Regel
Sowohl für Menschen mit Lernschwierigkeiten als auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung sind Texte ohne gendersensible Sonderschreibweisen empfohlen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. etwa wünscht sich Disclaimer oder aber die Doppelnennung. Die Doppelnennung, also die Nennung von männlicher und weiblicher Form, wird häufig benutzt und von den meisten Menschen gut verstanden. Dennoch reproduziert diese Schreibung die binäre Geschlechterkonstruktion.
